Friedwalt Essenpreis, *2.06.1909,  Mannheim, + 18.05. 2001, Bruchsal, fünftes von sieben Kindern des Landwirts Ludwig Essenpreis und seiner Ehefrau Wilhelmine, geborene Kunz; Enkel des Östringer Bürgermeisters Anton Essenpreis, der 1876 die Grund- und Hauptschule in der Hauptstraße erbauen ließ.

Ludwig Essenpreis verkaufte sein Haus in der Keltergasse, um die Kosten für seine nach langer Krankheit verstorbene Frau aufzubringen. Mit der zweiten Ehefrau Wilhelmine gelang ihm in Mannheim als Schulhausmeister ein Neuanfang. Der Erste Weltkrieg führte ihn 1915 zurück nach Östringen, wo die kinderreiche Familie im Obergeschoss des Gasthauses „Zur Sonne“ vorübergehend bis zum Umzug in die Synagogenschule in der Saarlandstraße eine Bleibe fand. Die Gemeinde stellte ihn als „Schuldiener“ an.

Friedwalt Essenpreis besuchte von 1916 bis 1924 die Volksschule in Östringen. Danach schaffte der vielseitig begabte Junge in  nur einem Jahr in der Klosterschule in Zell a. H. die ersten drei Gymnasialklassen, Es folgte ein weiteres Jahr am Hessischen Gymnasium, Bensheim a. d. Bergstraße. Der Tod seines Vaters zwang ihn wegen des Kost- und Schulgeldes, an das heutige Schönborn Gymnasium  Bruchsal zu wechseln, wo er im Jahre 1931 das Abitur ablegte.

Nach der zweijährigen Lehrzeit an der Gemeindesparkasse Östringen stellte sie ihn fest an. Im Jahre 1942 wurde er zur Wehrmacht eingezogen und ein Jahr später wegen eines Kriegsleidens als dienstunfähig entlassen.

Bis 1955 leitete er das Sägewerk Bender in Mingolsheim zunächst als Prokurist, später als Mitinhaber. Die letzten beiden Stationen seines Berufslebens waren die kaufmännische Leitung der Kartonagenfabrik Ziegelmüller in Sandhausen und die Leitung der Finanzbuchhaltung des Autohauses Fels in Bruchsal.

Eine Familie gründete er im Jahre 1936. Er heiratete Anna Maria Katharina Strohhäcker aus der Sägemühle an der B 292 und zog nach Mingolsheim. Sie schenkte ihm drei Kinder: Karl Friedwalt, Brigitta Anna, verheiratete Schlund und Ulrike Bärbel, verheiratete Fellhauer. Sie wuchsen in der „Villa Harter“, Hauptstraße 71 auf, die er schon 1937 gekauft hatte. Nach dem Tod seiner Ehefrau 1972 heiratete er im Jahre 1995 seine Lebensgefährtin Magdalena Hanagarth. Er zog nach Bruchsal, wo er am 18. Mai 2001 verstarb.

Bis zu seinem Tod organisierte Friedwalt Essenpreis die Klassentreffen seines Jahrgangs mit der ihm eigenen buchhalterischen Zuverlässigkeit. Er zählt zu den Gründungsmitgliedern des Verkehrsvereins, dem Vorläufer des Gewerbevereins.

Sein künstlerisches Talent verhalf  ihm zu einem namhaften Bekanntheitsgrad über seinen Tod hinaus. Die Lehrer erkannten früh die gestalterische Begabung des aufgeweckten Schülers. Er brachte sich die Zeichentechniken überwiegend selbst bei. Er zeichnete mit Bleistift und Tusche, malte Aquarelle, verwendete Pastellfarben und gestaltete Figuren aus Ton.

Anlässlich der Ausstellung seiner Arbeiten in der Gustav Wolf Galerie im Jahre 2002 schrieb Wolfgang Braunecker in der Bruchsaler Rundschau vom 11. Juli 2002 so:  „Mit aufmerksamem Blick fand Friedwalt Essenpreis seine Motive schon seit der Jugendzeit in den idyllischen Gassen, den alten Gebäuden und den stillen Winkeln seines dörflichen Umfelds. Über Jahrzehnte hinweg entstand dabei eine reichhaltige Sammlung von Gemälden, Zeichnungen und Skizzen, die dank der guten Beobachtungsgabe und des zeichnerischen Talents des Autodidakten längst zu einem wervollen Fundus von bildlichen 'Zeitdokumenten' wurde.“

 

Ausstellungen:

„Maler unserer Heimat“ 8. - 17.06.1975, Silcherschule Östringen
„Östringer Künstler stellen aus“, 24. - 26.05. 1986, Sparkasse Östringen
„Ansichten – Einsichten – Historie“, 18.06. - 14.07.2002 Gustav Wolf Galerie
Östringen   (Bac)

  KeltergasseKirchstr

 Alter Weg -  Brecht`s Haus                                                     Blick von der Keltergasse auf die Kirchstraße

 

 

 

  

Keltergasse 1941                                         Am Kirchberg                                         Zopfsches´Haus, hintere Straße